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Marktkommentar

Marktkommentar Oktober 2026: Kupfer und Silber im Überblick

Von Jens Luger ·

Kupfer LME-Kassakurs

14.540 USD/t

rund 12.965 €/t

Silber Spotpreis

51,72 €

je Feinunze (31,1 g)

Stand: 20.10.2026 (Euro umgerechnet mit dem EZB-Referenzkurs)

Das Bild im Oktober ist zweigeteilt: Kupfer bewegt sich weiter nahe seinen Höchstständen, Silber hat gegenüber dem September nachgegeben. Beides lässt sich sachlich einordnen.

Kupfer: hohes Niveau, unruhigere Wochen

Der Kassakurs für Kupfer an der Londoner Metallbörse (LME), also der Preis für sofortige Lieferung, lag am 20. Oktober bei 14.540 US-Dollar je Tonne. Im bisherigen Oktober lag der Durchschnitt bei rund 14.560 US-Dollar. Im Oktober 2025 waren es im Mittel rund 10.740 US-Dollar. Das ist ein Plus von rund 35 % innerhalb eines Jahres.

In Euro fällt der Anstieg noch etwas stärker aus, weil der Dollar gegenüber dem Euro zugelegt hat: Eine Tonne Kupfer kostet derzeit knapp 13.000 Euro, also knapp 13 Euro je Kilogramm Rohmetall. Vor einem Jahr waren es im Mittel rund 9.250 Euro, ein Plus von rund 40 %.

Liniendiagramm Kupfer, LME-Kassakurs vom 2. Januar bis 20. Oktober 2026: von 12.571 US-Dollar je Tonne mit einem Tief um 11.800 im Frühjahr auf rund 14.500 bis 14.850 seit August, zuletzt 14.540.
Kupfer seit Jahresbeginn, LME-Kassakurs in US-Dollar je Tonne. Stand 20.10.2026.

Seit Jahresbeginn (12.571 US-Dollar am 2. Januar) hat Kupfer knapp 16 % zugelegt. Innerhalb des Oktobers schwankte der Kassakurs zwischen gut 14.300 und gut 14.800 US-Dollar je Tonne. Die Ausschläge von Tag zu Tag sind damit spürbar größer geworden.

Was den Preis trägt

  • Knappes Angebot aus den Minen. Mehrere große Produzenten melden Ausfälle. BHP etwa hat im letzten Quartal deutlich weniger Kupfer gefördert als im Vorjahr, in Chile belasten Streiks und sinkende Erzgehalte die Produktion. Neue Minen brauchen viele Jahre bis zur ersten Förderung.
  • Wachsende Nachfrage. Stromnetze, Windräder, Solaranlagen, Elektroautos und Rechenzentren brauchen viel Kupfer. Dieser Bedarf wächst stetig, unabhängig von der Stimmung an den Börsen.

Was für Unruhe sorgt

  • Hohe Lagerbestände. Die an der LME gemeldeten Bestände liegen mit rund 234.000 Tonnen deutlich über dem Jahresanfang (rund 145.000 Tonnen); im April waren es zeitweise sogar über 400.000 Tonnen. Dazu kommen große Mengen in US-Lagern, die dorthin gebracht wurden, weil US-Zölle auf Kupfer im Raum stehen. Entschieden ist darüber noch nichts.
  • Zurückhaltung in China. Der weltgrößte Abnehmer kauft bei hohen Preisen vorsichtiger ein.

Unsere Einschätzung: Kurzfristig dürfte die Volatilität erhöht bleiben. Offene Zollfragen, schwankende Lagerbestände und die Kaufzurückhaltung in China können den Preis in beide Richtungen bewegen. Mittelfristig bleibt aber der Nachfrageüberschuss der Treiber: Der Bedarf wächst schneller, als neue Minen in Förderung gehen.

Silber: Rücksetzer gegenüber September

Eine Feinunze Silber (31,1 Gramm) kostete am 20. Oktober 51,72 Euro. Im September lag der Durchschnitt noch bei rund 56 Euro, mit einer Spanne von gut 53 bis 58,50 Euro. Zum Monatsende September notierte Silber bei 53,19 Euro.

Gegenüber dem September-Durchschnitt hat Silber damit knapp 8 % nachgegeben, gegenüber dem Monatsende September knapp 3 %. Der Rückgang hat sich im Oktober fortgesetzt, allerdings in kleineren Schritten.

Liniendiagramm Silber in Euro je Feinunze vom 2. Januar bis 20. Oktober 2026: Anstieg von 62 auf fast 98 Euro Ende Januar, danach starker Rückgang, seit dem Sommer zwischen rund 49 und 59 Euro, zuletzt 51,72.
Silber seit Jahresbeginn, Spotpreis in Euro je Feinunze. Stand 20.10.2026.

Warum Silber nachgibt: die Zinsen in den USA. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen und liegt inzwischen über 5 %. Anfang Oktober erreichte sie mit gut 5,3 % den höchsten Stand seit einem Jahr. Für Silber ist das ein Gegenwind: Edelmetalle werfen keine Zinsen ab. Je mehr sichere Anleihen bringen, desto weniger attraktiv wird es für Anleger, Silber zu halten. Höhere Zinsen stützen außerdem den US-Dollar, und ein festerer Dollar macht Silber für Käufer außerhalb der USA teurer.

Ausblick: Fed-Sitzung am 27. und 28. Oktober. Die US-Notenbank hat ihren Leitzins im September um 0,25 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 % angehoben. Für die Sitzung Ende Oktober rechnen die Märkte überwiegend mit einer Pause; eine weitere Anhebung wird eher für Dezember erwartet. Für Silber ist deshalb weniger die Entscheidung selbst wichtig als das, was die Notenbank über ihren weiteren Kurs sagt:

  • Signalisiert die Fed, dass der Zinsgipfel nahe ist, könnten Renditen und Dollar nachgeben. Das hat Silber in der Vergangenheit eher Rückenwind gegeben.
  • Bekräftigt sie dagegen weitere Anhebungen, dürfte der Druck auf Silber zunächst anhalten.

Bis dahin rechnen wir bei Silber mit spürbaren Schwankungen. Die industrielle Nachfrage, etwa für Solarzellen und Elektronik, bleibt dabei eine stabile Größe im Hintergrund.

Was das für Sie bedeutet

Wir geben keine Empfehlung, wann man kaufen oder verkaufen sollte. Ein paar Dinge halten wir aber für hilfreich:

  • Kupfer und Silber sind Sachwerte zum Anfassen. Ihr Wert hängt vom Metallpreis ab und schwankt, bei Silber zeitweise stark.
  • Der Metallpreis ist nicht der Produktpreis. Barren und Münzen enthalten Prägung, Verarbeitung und Versand. Bei kleinen Stückelungen fällt das stärker ins Gewicht.
  • Langfristig denken. Wer Metall als Sachwert hält, schaut eher auf Jahre als auf Wochen.

Quellen: London Metal Exchange (Kupfer-Kassakurs und Lagerbestände, über Westmetall), Internationaler Währungsfonds (Monatsdurchschnitt Kupfer Oktober 2025), metals.dev (Silber-Spotpreis), Europäische Zentralbank (Euro-Referenzkurs), US-Notenbank (Sitzungstermine), Marktberichte zu US-Anleiherenditen und Zinserwartungen. Stand: 20. Oktober 2026.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf dar. Edelmetall- und Rohstoffpreise schwanken; vergangene Entwicklungen sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Ergebnisse.